ACM Programmierwettbewerb an der FAU

World Finals 2003

Dies ist der Bericht vom Finale 2003 des International Collegiate Programming Contest (ICPC) der Association for Computing Machinery (acm), den Dominik netterweise für uns verfasst hat. Er ist dann doch ein bisschen länger geworden als eigentlich geplant...

Episode 1 -- Bagdad an der Bay

Freitag, 14. März


Flughafen Paris

Wenn man am Abend gesoffen und die Nacht durchgemacht hat, um 6 Uhr in der Früh am Nürnberger Flughafen Richtung Westen abgeflogen ist, Harry Potter und James Bond im ransatlantischen Flieger angeguckt und schließlich, dank Zeitverschiebung am frühen Nachmittag, die US-amerikanische Einwanderungsbehörde passiert hat, dann fühlt man sich etwas erschöpft. Besonders unangenehm ist es, dann mit dem ganzen Gepäck am Flughafen rumzulaufen, ein öffentliches Telefon zu suchen und eine Telefonkarte zu kaufen, um mit der Person, die man besuchen will, in Kontakt zu treten. Umso besser, dass uns zumindest die letzteren Dinge erspart blieben, denn am Flughafen von San Francisco erwartete uns ein frisch-fröhlicher Thorsten Meinl (mit Bart).

Thorsten Meinl arbeitete zu dieser Zeit an seiner Diplomarbeit bei der Firma Tripos in der Bay Area. Klar, dass wir ihn auf unserer Mission besuchen mussten. Da Thorsten auch über einen Firmenwagen verfügte, mussten wir unser Gepäck nicht bis zu seinem Appartment im Nobelvorort San Mateo tragen. Ich werde an dieser Stelle kein Wort über die üblichen Mietpreise in der Bay Area verlieren... In Thorstens Appartment (das er sich mit seinem Arbeitskollegen Bernd teilte), taten wir erstmal das, was nach so einer Reise geboten ist: Duschen, Nase bohren, etwas trinken, essen etc. Aber allzuviel Zeit ließ uns Thorsten nicht zum entspannen, denn es gibt viel zu sehen rund um San Francisco, und die Zeit war knapp! Deshalb ging es erstmal mit dem Auto Richtung San Francisco. Da bekanntlich der Weg das Ziel ist, nahmen wir nicht den Highway, sondern eine kurvige Landstraße durch die hügelige, unbewohnte Seite der Halbinsel. Die herrliche Landschaft, die man nur ein paar Meilen entfernt von der wohl wirtschaftlich am produktivsten und innovativsten Gegend der Vereinigten Staaten (und wohl auch die Gegend mit der höchsten Nerddichte) antrifft, verschlug uns sofort den Atem. Bald darauf schlief zumindest ich jedoch ein und wachte erst auf, als uns Thorsten in Daly City in das Fast-Food-Restaurant In & Out führte, wo wir uns schon mal annäherungsweise mit den Preisen der Bay Area vertraut machen konnten.

Schon bei Dunkelheit erreichten wir San Francisco und konnten bei Regen und Kälte schon teilweise die Schönheit dieser Stadt erahnen. Nachdem wir ca. eine halbe Stunde einem Seelöwenkonzert gelauscht hatten, fuhren wir noch in ein japanisches Restaurant, da Fast Food bekanntlich nicht so nahrhaft ist und wir wieder Nachschub brauchten. Dem Jet Lag begegneten wir mit der brutalen Methode und gingen ca. um halb elf ins Bett.


Samstag, 15. März


Golden Gate Bridge

Schiefe Straßen in SF

Für unseren ersten Tag hatte Thorsten eine Wanderung nördlich von San Francisco geplant. Diesmal fuhren wir mitten durch die Stadt, sahen am Rathausplatz eine Antikriegsdemonstration, erlebten die berühmten steilen Straßen von San Francisco am eigenen Leib, sahen ein schönes Haus nach dem anderen, und überquerten, wie sollte es anders sein, die Golden Gate Bridge. Nördlich davon findet man sich unmittelbar in freier Botanik wieder. Die Schönheit der Landschaft und die Aussicht motivierten Stefan, "sich nächste Woche richtig Mühe zu geben". Dass die Mühe so großartigen Erfolg nicht nach sich ziehen würde und unsere WG nicht geschlossen nach Berkeley umziehen können würde, sondern sich in Richtung Boulder, Waterloo und weiß der Himmel wohin zerstreuen würde, konnten wir ja noch nicht wissen... Dennoch: motiviert durch die schlichtweg grandiose Landschaft, fuhren wir nach Norden und machten eine mehrstündige Wanderung (Wanderung nicht im Mauererschen Sinne) an der Pazifikküste zu einem Aussichtspunkt, an dem man anscheinend Wale hätte beobachten können. Am Abend genossen wir noch ein Bierchen mit Burger in der Steelhead Brewery, Burlingame, und gingen dann zu Bett.


Sonntag, 16. März


San Francisco bei Nacht

Am Sonntag fuhren wir über die Hügelkette, die die Halbinsel durchzieht, in Richtung Süden. Sehr malerisch konnte man den Campus der renommierten Standorf University in der Landschaft liegen sehen. In San Jose am Südende der Bay besichtigten wir ein Technikmusuem. Das war sehr unterhaltsam, da amerikanische Museen immer sehr peppig, poppig, pfiffig etc. aufgemacht sind. Natürlich erweiterten wir auch an diesem Tag unsere Fastfoodkenntnisse.

(Auf der Museumstoilette in San Jose bin ich zum ersten Mal deramerikanischen Unsitte begegnet, die Kloschösseln bis fast unter den Rand mit Wasser zu füllen, was, wenn man nicht aufpasst -- und wer rechnet schon mit sowas! --, zu lustigen Dingen führen kann... -- Stefan)


Montag, 17. März

Am Montag und Dienstag musste Thorsten wieder arbeiten, deshalb hatten wir kein Auto (und keinen Thorsten) mehr zur Verfügung. Gott sei Dank aber ist der ÖPNV in der Bay Area in recht anständigem Zustand, so dass wir mit ein paar Bucks in der Früh nach San Francisco fahren konnten. (Beim Einfahren des Zuges nach SF wurden wir übrigens Zeugen der verträumten Selbstliebe der Franciscaner, die sich uns durch eine Durchsage des Lokomotivführers offenbarte: "This is San Francisco Central Station. We're now arriving at The City. This is San Francisco, the greatest city in the world." -- Stefan) Dort schlenderten wir ziellos durch die Straßen, spielten Schwulenraten, was ein wenig enttäuschend war (laut Stefans Reiseführer hat SF eine Schwulendichte von 1/3, was wir aber nicht bestätigen konnten. Vielleicht lag's aber auch an den vielen Latinos und Asiaten, denen man's ja nicht ansieht!).

Da die Stadt gar nicht sooo riesig ist, konnten wir alles recht gut zu Fuß machen und entspannten uns schließlich im Golden Gate Park für ein Stündchen mit antiamerikanischer Literatur wie Stupid White Men von Michael Moore oder A People's History of the United States von Howard Zinn, die uns die ganze Reise begleiteten. Da die Züge nicht bis spät in die Nacht fuhren und wir, wie gesagt, kein Auto hatten, konnten wir leider nicht so gut das Nachtleben der Stadt erkunden und mussten recht zeitig zu Thorsten und Bernd zurückkehren.


Dienstag, 18. März


Campus-Wiese von Berkeley

Da wir ja als offizielle Botschafter der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg gekommen waren, durften wir natürlich nicht versäumen, auch einige jenseits des Atlantiks gelegene Eliteuniversitäten zu besuchen. Daher brachen wir in aller Frühe nach dem legendären Berkeley auf. Am Bahnhof von San Francisco trafen wir noch kurz Herrn Professor Niemann (diesmal keinen Chinesen, sondern den echten Niemann!!), der gerade von der anderen einschlägig bekannten Bildungsstätte der Bay Area, von Stanford, kam. Nachdem ich mich ihm als sein ehemaliger Prüfling vorgestellt hatte, reichte er mir huldvoll die Hand, während Stefan kaum sein Verlangen unterdrücken konnte, Herrn Niemann in die Wange zu kneifen. (Olaf behauptet ja, Niemann habe auch darauf eine pfiffige Antwort parat, aber das sprengt ein bisschen meine Vorstellungskraft. -- Stefan)


Computer Science Building der UC Berkeley

Die Busfahrt nach Berkeley führte uns über die Bay Bridge nach Oakland, wo sich unsere Frage, wo denn die ganzen Armen wohnen, die mit ihrem Schweiß den Reichtum der Bay Area erwirtschaften, sehr schnell beantwortete. Der Campus der University of California at Berkeley beeindruckte uns sehr. Leider sahen wir nur noch wenig Hippies, auch den süßen Hanfduft vermissten wir (klar, das Pot-Ranking wird mittlerweile von der CU Boulder angeführt!). Nach einem Kaffee in der marmorverkleideten Cafeteria legten wir uns zu den anderen Elitestudenten auf die Wiese und pflegten wieder einaml unsere antiamerikanischen Ressentiments. Unsere Liebe zu diesem Land blühte jedoch schlagartig wieder auf, als wir, auf dem Hügel oberhalb des Campus sitzend, einen Sonnenuntergang mit San Francisco und Golden Gate Bridge im Hintergrund erleben durften.


Ganz nett: Sonnenuntergang über Berkeley

Den Abend verbrachten wir in San Francisco. Dort besuchten wir das berühmte City Lights Bookstore, die einstige Keimzelle der Beatniks. Glücklicherweise fanden wir noch eine Kneipe, in der das Pint nur einen Dollar gekostet hat, was wirklich sensationell ist.


Mittwoch, 19. März


Buchrückgabe in Stanford

An unserem letzten Tag in der Bay Area besichtigten wir die andere bekannte Universität, die Stanford University in Palo Alto. Der Campus hier ist noch prunkvoller als der von Berkeley, dennoch nicht ganz so schön. Auch der Typ Mensch, der hier rumläuft (ja, läuft, hier pennt niemand auf irgendwelchen Wiesen wie in Berkeley), ist völlig anders: erfolgsorientierter, karrieregeiler, etc. (ohne Vorurteile bilden zu wollen). Daheim in San Mateo angekommen, erzählte uns Bernd, dass gerade der Krieg im Irak (Ich wollte hier eigentlich einen Link auf die Homepage vom Irak einfügen, bin aber im Google nur auf amerikanische Propaganda-Seiten gestoßen... -- Stefan) begonnen hatte. Für den nächsten Tag war in San Francisco eine Großdemonstration angesagt, an der wir natürlich teilnehmen wollten, jedoch schrieb unser Zeitplan unerbittlich die Abreise nach Los Angeles vor.


Zwischenspiel -- der Highway One

Donnerstag, 20. März


Bubba Gump Shrimp Company in Monterey

Der Highway One, der entlang der Pazifikküste von San Francisco nach Los Angeles führt, ist, um es mit den Worten des von uns allen verehrten Kollegen Strehl zu sagen, schlichtweg grandios. Wie in so vielen Situationen waren wir ein wenig traurig, dass er nicht bei uns sein konnte. (Häufig trösteten wir uns damit, dass wir uns vorstellten, er wäre doch dabei. Da wir sehr phantasievoll sind, führte das fast immer zu sehr ausgelassener Stimmung. -- Stefan)


Pazifikküste

Um den durch die US-amerikanische Außenpolitik verursachten Brechreiz zu unterdrücken, stürzten wir uns auf die vielen kleinen und großen Sehenswürdigkeiten dieses Landes. Neben der, wie schon rwähnt, schlichtweg grandiosen Landschaft, zählten hierzu ein Aquarium in Monterey, das uns die faszinierende Fauna des Ozeans bewundern ließ. Am Abend logierten wir in einem Motel bei Big Sur. Wir waren etwas enttäuscht, an der Rezeption keinen fertigen Typen anzutreffen, wie man ihn aus dem Filmen kennt. Aber vielleicht war das Motel auch eher ein gehobene Klasse.


Freitag, 21. März

In der Früh gab's im Motel erstmal ein typisch amerikanisches Frühstück: Pan Cakes mit Ahornsirup und Bratkartoffeln mit Speck und Ei. Tagsüber entschieden wir uns dann aus Geiz dagegen, Hearst Castle zu besichtigen, ein Märchenschloß mit 200 Zimmern, das sich irgendein verrückter Robber Baron zur Jahrhundertwende auf der Hügelkette über dem Pazifik hat erbauen lassen. (Nicht ganz: Gebaut wurde an dem Schloss von 1919 bis 1947. Ob Hearst ein Robber Baron war... -- sein Vater war's auf jeden Fall. -- Stefan)

Wir zogen die Muße einiger Stunden am Strand vor, obwohl wegen der kalten Temperaturen an ein Bad im Ozean nicht zu denken war. Wir übernachteten im Motel 6 in Santa Barbara, laut Reiseführer das teuerste Motel 6 westlich der Appalachen. (Sehr lustig :-), aber eigentlich nur des Mississippi. -- Stefan)

Obwohl wir in Bug Sur wunderbar zu viert in einem Doppelzimmer geschlafen hatten, mietete Thorsten in einem Anfall von Platzangst zwei Doppelzimmer, was wegen der hohen Preis einige Monate später zu schweren Zerwürfnissen führen sollte. Aber dies ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden (und wird, anders als bei Michael Ende, auch erzählt werden).


Samstag, 22. März

In der Früh musste ich auf Stefans Befehl hin mit ihm am Strand joggen gehen, was natürlich ganz nett war, mir jedoch zwei schöne Blasen einbrachte. Aber genug des Selbstmitleides. Wir waren bereits kurz vor Los Angeles und besuchten unter anderem den berühmten Strandort Malibu, der uns aber sehr enttäuschte. Auch in Pacific Palisades, das zwischen Malibu und Santa Monica, einem Strandort von Los Angeles liegt, war vom Geiste eines Thomas Mann nur noch wenig zu spüren.
Rechtzeitig trafen wir mit vielen anderen Nerds und Checkern im Beverly Hilton ein, bezogen unsere Doppelzimmer mit King-Size-Matratzen, fuhren zum Strand, wo wir einen Haufen kalifornischer Strandschönheiten bewundern durften.

Am Abend hat die ACM es mal so richtig krachen lassen und auf dem Dach des Hotels ein Willkommensdinner gerichtet. Ganz nett unterhielten wir uns mit den Kollegen aus Groningen, Holland. Als die aber mit Frechheiten wie "Ja, Südwesteuropa ist beim ICPC eher eine schwache Region" und "Informatiker können gut Anwendungen entwickeln, aber das harte Problemlösen soll man doch besser den Mathematikern überlassen" kamen, beschloss Stefan kurzerhand, später als Reicher Sack niemals Holländer einzustellen.


Der Internationale Programmierwettbewerb

Sonntag, 23. März

Am Sonntag gab es natürlich einen Haufen Begrüßungsreden. Dort erfuhren wir bespielsweise, dass wir ja bereits gezeigt hätten, zu den Besten der Besten zu gehören und in LA nur noch die Besten der Besten der Besten festgestellt würden. Es gab durchaus interessante Vorträge, beispielsweise von Helene Armitage, ihres Zeichens Futurologin bei IBM und, so spekulierten wir, eine große Kriegsbefürworterin vor dem Herrn. Ihr zufolge seien wir in LA, "to make this world a better place", nicht wissend, dass die Aussage, eine bessere Welt sei möglich, die schwächere Aussage, eine andere Welt sei möglich, impliziert, Kampfspruch der doch eher als Kriegs- und US-kritisch bekannten NGO Attac.

Beeindruckender noch war der Vortrag eines Herrn über die Computereffekte in "Der Herr der Ringe", bei denen er federführend war.
Das Programm sah für den Nachmittag Freizeit vor, deshalb machten wir uns auf zum Strand nach Santa Monica, wo uns leider das unberechenbare Wetter (Nebel) den Badespaß versaute. Also fuhren wir mit dem Auto durch die schönen Strandvororte von Los Angeles und bewunderten die Betonschönheit Amerikas zweitgrößter Stadt.

Am Abend war ein Saal des Hotels als Internetcafe eingerichtet. Das war natürlich wunderbar, man konnte mailen, surfen, trinken, Schach oder natürlich Doppelkopf spielen. Besonders hingewiesen sei an dieser Stelle auf den Coach eines kanadisches Teams, der sofort erkannte, dass Spruch "Secundum non datur" auf Thorstens faui01-T-Shirt politische Bedeutung hat.

An dieser Stelle sind nun einige Worte zu den Teilnehmern des Wettbewerbes angesagt. Eine Korrelation zwischen überdurchschnittlicher Begabung und eigenwilligem Aussehen (von manchen Menschen auch Nerdtum genannt), war bei den World Finals in Beverly Hills durchaus vorhanden. Da, wie wir kürzlich bei Herrn Meyn feststellen mussten, der Begriff des Nerds auch vielen Mitarbeitern der TechFak, die diesbezüglich doch besonders sachkundig sein sollten, unbekannt ist, sei hier eine kleine Einführung in die Materie gegeben:

Wohl jeder kennt aus seiner Schulzeit den Typus Mensch, der zwar in Mathematik und in Physik immer gut ist, jedoch Probleme im Umgang mit anderen Menschen hat und daher häufig unbeliebt oder ein Outsider ist. Diese Menschen sind entweder Streber -- wenn sie ihre Leistungen durch übertrieben fleißiges Arbeiten erreichen und sich am Unterricht durch eine häufig als Schleimen bezeichnete Weise beteiligen und somit dem Rest der Klasse verständlicherweise auf den Nerv gehen; jedoch sind Streber nicht immer unbeliebt, sie können sogar nach pubertären Maßstäben als cool gelten -- oder aber diese Menschen sind Nerds. Nerds sind, im Gegensatz zu Strebern, wahrlich begabt und sind nicht wegen Strebens und Schleimens unbeliebt, sondern weil sie oft schüchtern und in zwischenmenschlichen Dingen zurückhaltend sind und deshalb in der klasseninternen Hierarchie häufig unten angesiedelt sind.

Während Streber sich nach dem Abitur häufig in Studiengängen der Rechtswissenschaften oder der Betriebswirtschaftslehre wiederfinden, zieht es Nerds in fast allen Fällen zu den Naturwissenschaften, besonders zur Mathematik, Physik und Informatik. Da zwischenmenschliche Hemmungen der Nerds zum Großteil durch das sozio-kulturelle Umfeld der Schule bedingt sind, gewinnt das Sozialleben eines Nerds im Allgemeinen sehr durch das Hochschulstudium, und viele Nerds werden offene, kommunikative Menschen, heiraten sogar und gründen Familien.


Montag, 24. März

Am Montag wurde es zum ersten Mal ein wenig ernst für die Nerds in Beverly Hills. Wie in Portugal gab es vor dem richtigen Contest eine Practice-Session, um sich mit der Programmierumgebung und allem Drumherum vertraut zu machen. Da wir schlaue Köpfe sind, fanden wir uns schnell zurecht und fingen in der verbliebenen Zeit an, Unsinn zu treiben. Man muss ja wissen, was alles auf dem Rechner installiert ist, auf dem man den Weltwettbewerb antritt! Beispielsweise fanden wir auf unserem Rechner das beliebte Computerspiel Tetris. Zu unserer Überraschung war sogar ssh installiert. Da vielleicht ein ssh auf den Rechner eines anderen Teams auf die Jury einen allzu schlechten Eindruck gemacht hätte, machten wir telnet auf den port 22 des Teams 54. Prompt meldete sich dessen sshd. Da uns Bescheißen, Spionieren, Tricksen, ja generell der Gebrauch nichterlaubter Hilfsmittel und jeglicher Unterschleif völlig fern liegt, fuhren wir nicht fort, sondern brachen die Verbindung ab.


Das Team

Offenbar haben die Veranstalter unseren "Angriff" sofort festgestellt, denn schon nach zwei Minuten verkündete Jurymitglied John Clevenger, es habe "ein schwerer Verstoß gegen die Richtlinien des Contests stattgefunden", dies sei nun "die allerletzte Warnung", und zitierte uns -- "Team 18, please proceed to the stage" -- zu sich.

Vielleicht war es, weil er ein Grinsen auf unseren -- und anderer Leute -- Gesichtern entdeckt hatte, vielleicht aus einem pädagogischen Reflex heraus, vielleich, weil er einfach noch ein's nachlegen wollte, vielleicht war all dies zusammen der Grund dafür, dass er noch ein "That's no fun" durch das Mikrophon hinzufügte. Nach einer Standpauke, die mit "Gentlemen! This is our very last warning!" begann und nach kurzer Zeit mit "we really do not want you to be disqualified tomorrow" endete, durften wir abtreten.

Auf dem Rückweg zu unserem Platz trieb der wohl allen Menschen innewohnende Trieb des Nachtretens eine ca. fünfzigjährige Dame dazu, den wunderbaren Satz "Gentlemen! I'm the contest Director of Europe, and it's very sad that this had to happen from a European University. It's very sad." zu mir zu sagen. Ohne eine Antwort abzuwarten, wandte sie sich ab. Spätestens jetzt war uns klar, dass sich der Versuch mit telnet auf jeden Fall gelohnt hatte. Das Ulmer Team dachte sofort, wir hätten über's Internet eine Pizza bestellen wollen, was mit großer Mißachtung zu strafen sei, im Original "Ouf's Schärfschte Frurteile muaß mr des".


Bei der Arbeit...

Die nächste Herausvorderung war der Java-Challenge, bei dem jedes Team ein virtuelles Auto programmieren musste, das auf einer virtuellen Rennbahn Fahnen abfahren, tanken und andere Autos mit Reservereifen abschießen sollte. Das war gar nicht so einfach, wie wir bald feststellen mussten. Dennoch schaffte es Kollege Strehl, das Auto des Erlanger Teams, immerhin in die zweite von drei Runden. Sieger des Autorennens wurde das Team von dem durch Internetseiten zum Thema P versus NP und durch Fotos seiner ICPC-Kombattenten einschlägig bekannte Virginia Institute of Technology. An diesem Tag gingen wir früh ins Bett, um am nächsten Tag wach und munter der großen Herausforderung entgegenzutreten.


Dienstag, 25. März

Wie mittlereweile ja alle wissen, waren wir beim Wettbewerb nicht so überragend. Das heißt, wir waren eigentlich genauso gut wie in Porto, aber die Konkurrenz war schärfer. Konkret heißt das, dass wir nach fünf Stunden harter Arbeit, die durch kurze Gänge zur Toilette, zum Buffet und zum Getränkeholen unterbrochen wurde, kümmerliche drei Aufgaben gelöst hatten. Unsere Ausrede? Nun ja, zum ersten haben wir viel zu wenig trainiert. Das wird im nächsten Jahr unseren Nachfolger gewiß nicht passieren. Zum zweiten haben wir kaum als Team gearbeitet. Das heißt, jeder von uns hat sich einfach eine Aufgabe geschnappt und dann versucht, die zu lösen. Also keine Kooperation, kein gemeinsames Besprechen eines Problemes etc. Zum dritten hat Hans den Mittelpunkt und den Brennpunkt einer Ellipse verwechselt, was jedoch auch den Kollegen aus Ulm passiert ist. Und zum vierten war ich zu blöd, den Spanning-Tree-Algorithmus fehlerfrei zu implementieren, obwohl ich das in Deutschland schon tausendmal gemacht hatte.

Immerhin gab es noch eine ganze Reihe von Teams, die schlechter waren als wir, so dass wir auf Platz 43 von 70 landeten. Sieger der Weltmeisterschaft wurden drei schlaue Köpfe aus Warschau. Die Ulmer landeten mit sechs gelösten Aufgaben auf Platz 10 und retteten somit die Ehre des deutschen Vaterlandes. Insgesamt bemerkenswert war, dass die ersten zwölf Plätze, die eine besondere Auszeichnung erhielten, bis auf Platz 12 (Buenos Aires) und Platz 10 ( Ulm) ausschließlich von Chinesen und Slawen besetzt waren. Restlos vom kommenden Untergang des Abendlandes überzeugt, fuhren wir mit allen anderen Teilnehmern zur Abschlussfeier in einem Vergnügungsparadies in Hollywood. Dort hatte die ACM eine ganze Spielhölle gemietet, wo es dann ein großes Buffet gab und man interessante Spiele (zum Großteil Ego-Shooter) spielen konnte. Leider traf das nicht ganz unseren Geschmack, also machten wir uns außerhalb dieses Lokals auf die Suche nach einem Bier. Leider hatte ich alle Dokumente im Hotel vergessen und konnte also nur heimlich an Stefans Bier nuckeln. Recht bald beschlossen wir mit Thorsten, den großen Tag mit dem üblichen Doppelkopf im Hotel zu beschließen.


Die Große Reise

Mittwoch, 26. März


Unser Pick-Up

Nun war der Wettbewerb vorbei, und wir hätten eigentlich wieder heimreisen können. Von wegen! Denn wenn man schon mal drüben ist, sollte man es auch ausnutzen. Deshalb hatten wir schon von Deutschland aus ein Auto gemietet, um nach unserem Sieg (oder unserer Niederlage, das wussten wir damals ja noch nicht) noch zwei Wochen durch den Westen der USA zu düsen. Auf der Einweihungsfeier unserer Nachbarn hatte Stefan meinen Rausch dazu ausgenutzt, mir das Versprechen abzunehmen, die Mehrkosten für einen coolen Pick-Up mit ihm zu teilen, weil es halt einfach sehr viel stilvoller ist, mit einem Pick-Up durch die USA zu reisen als mit einem Kleinwagen.


Unser Jeep, besser als der Pick-Up

Thorsten musste auch bald wieder in San Mateo sein, deswegen trennten sich an diesem Tag unsere Wege. Netterweise fuhr er uns noch zu dem Autoverleih. Dort stellte sich jedoch heraus, dass erstens die Ladefläche des Pick-Ups, entgegen den Versicherungen des Reisebüros, nicht verschließbar war und daher als Gepäckraum nur sehr bedingt in Frage kam und zweitens die Rückbank kaum Platz für einen ausgewachsenen Menschen bot. Ziemlich enttäuscht fragten wir die nette Dame vom Autoverleih, ob es möglich sei, auf einen kleineren, aber mehr Innenraum bietenden Wagen umzusteigen. Dies sei möglich, dadurch würden jedoch zusätzlich zu dem Mietpreis des Pick-Ups noch eine Umbuchungsgebühr von 80$ entstehen -- auch wenn der Alternativwagen billiger gewesen wäre. Da diesmal Geiz über Bequemlichkeit siegte, räumten wir das gesamte Gepäck samt Hans auf die Rückbank und stiegen ein. Hans war nicht gerade glücklich und brachte auch unsere Nachfrage nur ein gequältes "Naja, es geht schon irgendwie" heraus. Zu allem wussten wir auch nicht, wie man den Motor -- Automatikschaltung -- anlässt. Nachdem ca. viermal die Gebrauchsanweisung durchgelesen und alles richtiggemacht hatten, wurde es uns zu blöd und wir gingen nochmal rein, um zu fragen. Dort wurden wir erstmal als dumme Europäer ausgelacht, die keine amerikanischen Autos fahren können. Der Angestellte überzeugte sich jedoch innerhalb weniger Sekunden -- Zündschlüssel rein, umdrehen, nix passiert; Zündschlüssel raus, Zündschlüssel rein, Fensterheber betätigen, nix passiert -- davon, dass die Batterie leer war.


Kakteen in San Diego

Deshalb mussten sie uns wohl oder übel ein anderes Auto anbieten und ließen uns dabei freie Wahl. Natürlich nahmen wir den größten Jeep, den wir entdecken konnten (Grand Cherokee). Dort hatte unser Gepäck mehr Platz als genug. Nun ging's auf Richtung Süden, nach San Diego, wo Stefan eine alte Schulfreundin und ich meinen Cousin Tino treffen wollten.

Nachdem wir die Betonwüste Los Angeles (english: Concrete Jungle) verlassen hatten, knallten wir uns für ein paar Stunden an den Strand (San Diego ist nicht sehr weit von Los Angeles entfernt) und überwanden langsam die Enttäuschung über den nicht so grandiosen Ausgang des Wettbewerbes. Bei Dunkelheit kamen wir in San Diego an und übernachteten in irgendeinem namenlosen Motel.


Donnerstag, 27. März


Sonnenuntergang in San Diego

Am Freitag besichtigten wir einen schönen Park im Zentrum von San Diego, mit exotischen Bäumen, Eidechsen und vielen Kakteen. Mittags trafen wir Stefans Schulfreundin Debora und deren Freund und gingen gemeinsam geplegt thailändisch essen. Auf einer Landzunge, von der man einen herrlichen Blick sowohl auf San Diego als auch auf den Pazifik hat, wohnten wir einem herrlichen Sonnenuntergang bei und trafen uns schließlich in La Jolla mit meinem Cousin Tino, der dort seit mehreren Jahren mit seiner amerikanischen Frau Nadja und seit knapp 2 Jahren auch mit Sohn wohnt. Nach einem hervorragenden Essen in einem mexikanischen Restaurant übernachteten wir in dem großen Haus der Familie Blue, Tinos Schwiegereltern, das direkt an der Hochküste über dem Pazifik in La Jolla liegt. Ein geräumiges Zimmer, Schlafsäcke und ein eigenes Bad wurden gestellt, so dass einer erholsamen Nacht nichts mehr im Wege stand.


Freitag, 28. März

Am morgen gab es ein nahrhaftes Frühstück (obwohl ohne Burger, die ja bekanntlich der Grundstein eines jeden nahrhaften Frühstücks sind) mit Tino, Nadja, Linden, Frau Blue und nun auch Herrn Blue, der gerade von einer Geschäftsreise zurückkam.

Für den Vormittag hatten wir einen Abstecher nach Tijuana geplant. Die mexikanische Grenzstadt liegt ca. eine halbe Autostunde von La Jolla entfernt. Kurz vor der Grenze weist ein Autobahnschild den US-amerikanischen Lateinamerikareisenden freundlich darauf hin, dass in Mexiko Schusswaffen verboten sind. Leider durften wir aus versicherungstechnischen Gründen mit unserem Leihwagen nicht in unterentwickelte Länder wie Mexiko fahren, deshalb stellten wir es auf dem letzten Parkplatz vor der Grenze ab und nahmen den öffentlichen Bus.

Tijuana selbst ist ganz nett, hat aber nicht wahnsinnig viel zu bieten. Tausende von Straßenhändlern versuchen, verwöhnten kalifornischen Großstadttöchtern billigen Schmuck zu verkaufen oder Passanten in windige Restaurants zu locken. Auf keines davon sind wir hier reingefallen und haben sogar sehr günstig zu Mittag essen können. Aber nach ein paar Stunden drängte es uns wieder in mehr zivilisierte Länder zurück, und schließlich wollten wir ja schnell ins Landesinnere kommen. Also gingen wir zur Bushaltestelle zurück und fuhren in Richtung Kalifornien.

An der Grenze verloren wir leider den Hans, wahrscheinlich weil er den US-amerikanischen Grenzbeamten zu suspekt erschien. Nach einer halben Stunde bangen Wartens auf dem Parkplatz kam der Hans dann doch wohl behalten auf uns zugewandert. Dann unterhielten wir uns noch eine halbe Stunde mit einer Deutschen, die nach Kanada ausgewandert war und uns erzählt hat, wie wundervoll es dort doch ist und dass ihnen jedesmal die vielen Menschen und dichten Städte auf den Geist gehen, wenn sie in die USA reisen. Dennoch fuhren wir nun mit unserem Grand Cherokee in Richtung Arizona und nicht nach Kanada. (Die Frau war wirklich sehr nett, aber sie hat leider auch sehr viel geredet. Den Sinn der Frage, ob sie vielleicht in der Tourismus-Branche arbeite, hat sie offenbar nicht verstanden. -- Stefan)

Die Landschaft zwischen San Diego und Arizona ist höchst bemerkenswert. An der Pazifikküste dominieren eher trockene, mit Gestrüpp bewachsene Hügel. Nach Osten hin wird es dann immer trockener. Nach einigen Stunden kamen wir in den Mount Laguna Park, ein kleines Gebirge, vielleicht 100 Meilen nördlich der mexikanischen Grenze. Und dort schaut es plötzlich wieder aus wie in Kursberg (für die Non-Checks: wie in Franken): Berge, Wald, Seen, sehr schön. Aber leider mussten wir weiter und hatten keine Zeit zum wandern.

Von einem Tal zum anderen ändert sich die Landschaft schlagartig: bewaldete Berge gehen unmittelbar in Wüste über. In der malerisch von Bergen umgebenen Wüstenstadt Borrego Springs wollten wir die Nacht verbringen, leider waren alle Motels, die wir gesehen haben, voll, und wir mussten weiter. Das war ziemlich scheiße, denn wir waren mitten im Nirgendwo, und die nächste größere Stadt war vielleicht vier Autostunden entfernt. Man kommt hier nicht so schnell voran, weil die Straßen ständig den Berg rauf und wieder runter gehen. Nix von geraden Straßen bis zum Horizont (die kamen später). Nach mehreren Stunden Fahrt durch das Nichts (allerdings schönes Nichts, teilweise wieder wie in Kursberg, und nicht vollkommenes Nichts, denn es kamen schon immer mal wieder Dörfer, aber völlig ohne Übernachtungsmöglichkeiten) erreichten wir schließlich die doch etwas größere Stadt Palm Springs, wo wir in einem schrecklich teuren Holiday Inn schliefen, das uns zusammen glatte 130$ kostete.


Samstag, 29. März


Ein Joshua Tree

Am Samstag besuchten wir unseren ersten Nationalpark: den Joshua Tree National Park östlich von Palm Springs. Da kauften wir uns gleich eines Jahrespass, der mir jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, immer noch gute Dienste leistet und mir kürzlich zum Rocky Mountains National Park, Colorado, und zum Yellowstone National Park, Wyoming, Eintritt verschafft hat. Der Joshua Tree National Park besteht zum Großteil aus Wüste, in der aber dennoch Bäume, eben die stacheligen Joshua Trees, wachsen. Übrigens war es gar nicht so heiß, vielleicht auch weil der Park ziemlich hoch liegt, deswegen hat man die Sonne nicht so gemerkt, was mir schnell einen deftigen Sonnenbrand im Nacken einbrachte.

Danach drückte Stefan auf's Gas und brachte uns an diesem Tag bis nach Phoenix, Arizona.


Cactus Garden, Joshua Tree NP

Sonntag, 30. März

Eigentlich wollten wir die Innenstadt von Phoenix besichtigen, erstens weil sie laut Stefans Reiseführer sehenswert ist und zweitens, weil es nach Stefans Reiseführer dort einen Platz gibt, wo die jungen Männer mit ihren geilen Autos rumbrausen um leicht zu beeindruckende Mädels abzuschleppen und wir dachten, mit unserem Grand Cherokee hätten wir vielleicht auch ne Chance... Wie auch immer: Phoenix ist bestimmt eine interessante Stadt, auch weil sie mitten in der Wüste liegt und trotzdem total grün ist, was wohl nur mit horrender künstlicher Bewässerung möglich ist. Im Sommer soll die Stadt schrecklich heiß sein, kurz nach Frühlingsbeginn jedoch waren die Temperaturen nur angenehm warm.


Phoenix, Arizona

In einem kleinen Park in einem Außenbezirk von Phoenix nahmen wir ein Frühstück zu uns. In der Nähe entdeckten wir einige Hügel, die recht nett aussahen, und nahmen sie in Angriff. Leider waren sie viel höher als erwartet (wir hatten kein Wasser mitgenommen) und anscheinend gar nicht so einsam und ruhig, wie sie von unten aussahen, sondern ein beliebtes Ziel für den Sonntagsspaziergang, denn sie waren total überfüllt mit Leuten. Aber von oben hatte man einen herrlichen Blick auf die Stadt, und die Anstrengung hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Dann ging's nach Norden, Richtung Flagstaff. Zwischen Phoenix und Flagstaff liegt Montezuma's Castle, eine in eine Felswand gehauene Siedlung von Indianern unbekannter Herkunft. (Täfelchen für die Besucher sprachen von einer "prehistoric culture", was in den USA soviel bedeutet wie "war irgendwann vor der Unabhängigkeitserklärung. -- Stefan) Nicht weit davon (das heißt wohl eine Autostunde) gibt es auch noch ein paar Mauerreste. Das war ganz interessant, aber ich bin mir sichr, die Pyramiden in Mexiko und Guatemala beeindruckender sind. Naja, man weiß ja, dass die meisten Indianer nördlich von Mexiko zwar vielleicht sesshaft waren, aber selten Häuser aus dauerhaften Material wie Stein, Ziegel, Beton, Stahl etc. gebaut haben. Beeindruckender war dann schon die Landschaft. Ich beschreibe sie jetzt mal nicht, sondern vertraue auf die Überzeugungskraft von Stefans Digitalphotos.


Langweilig: Montezuma's Castle

Abends fanden wir in Flagstaff, Arizona, ein Motel für 51$ die Nacht, was supergünstig ist. Im Vergleich zu dem Holiday Inn in Palm Springs, California, macht das eine Differenz von 80$. Was macht man also, wenn man unvermittelt 80$ auf zur Verfügung hat? Man geht natürlich ins nächste Pub und spielt toter Käfer.
Toter Käfer ist ursprünglich ein texanisches Spiel, das man am Tresen spielt. Auf das Kommando "Toter Käfer" (auf englisch "dead bug") muss sich jeder Spieler vom Barhocker nach hinten auf den Boden fallen lassen und alle Viere in die Höhe strecken. Wer als letzter den Boden berührt hat verloren und muss die nächste Runde zahlen. Berühmtheit erlangte dieses texanische Ritual, als ein hochbegabter Dead-Bug-Spieler namens George W. Bush, von seinen Freunden liebevoll Dubya benannt, aus beruflichen Gründen von Austin, Texas nach Washington, D.C. zog.


Toter Käfer

Christina, die nette Bedienung, kannte das Spiel leider noch nicht, war dann aber mit Begeisterung dabei, ab und zu "Dead Bug" zu rufen, weil das ihr natürlich jedesmal eine weitere Runde Trinkgeld einbrachte. Nachdem wir 80$ rausgehauen haben und insgesamt eine wundervolle Zeit hatten, wankten wir ins Motel zurück, verrichteten auf der Toilette, was verrichtet werden musste, und schliefen, bis uns um 9:30 in der Früh der Typ vom Motel weckte und sagte, dass wir eigentlich bis 10:00 draußen sein müssen, wenn wir nicht noch einen Tag bleiben.


Montag, 31. März

Da wir alle etwas verkatert waren, war dieser Tag nicht sooo besonders toll. Immerhin besichtigten wir den berühmten Meteorkrater in Arizona, was doch sehr beeindruckend war, und einen versteinerten Wald. Unter einem versteinerten Wald stellt man sich leicht etwas Falsches vor. Das ist im Grunde auch nur eine Wüste, in der längliche, runde Steine liegen, die bei näherem Betrachten die Struktur von Baumstämmen aufweisen, ja die tatsächlich einst Baumstämme gewesen sind, bei denen jedoch im Laufe der Jahrmillionen das organische Material vollständig durch Mineralien verdrängt worden ist. Sehr interessant, aber dennoch fragwürdig, ob sich die ewige Autofahrt gelohnt hat.


God-bless-America-Wasser in Flagstaff

Sonnenaufgang am Grand Canyon

Für Dienstag haben wir den Grand Canyon geplant und waren sogar willens, um 4:00 Früh aufzustehen, um den Sonnenaufgang dort zu erleben. Deshalb übernachteten wir in einem Motel kurz vor dem Grand Canyon.


Dienstag, 1. April

Der Sonnenaufgang war wahrlich grandios. Leider war es scheißkalt, und wir hatten kaum was Gescheites zum Essen dabei. Dennoch wollten wir runter zum Colorado laufen uns wieder hoch -- entgegen den strengen Warnungen, die man auf vielen Schildern lesen kann: man solle unter keinen Umständen versuchen, die Wanderung an einem Tag zu machen, schließlich stürben jedes Jahr mehrere Leute, die's versuchen, an Überanstrengung. Immerhin sind es 1300 Höhenmeter.


Dreckige Colorado-Brühe im Canyon

Technisch gesehen ist der Weg runter zum Colorado ein Spaziergang, d.h. es ist ein ganz normaler Weg, nur eben sehr lang. Runter geht's relativ schnell, vor allem weil man noch nicht erschöpft ist, was beim Bergsteigen das Runtersteigen meistens so krass unangenehm macht, und deshalb waren wir nach vielleicht 2 Stunden am Fluss. Richtig gebadet haben wir nicht, denn die Strömung ist ziemlich stark und sieht gefährlich aus.

Der Weg wieder hoch dauert erwartungsgemäß länger als der nach unten, und ist aus offensichtlichen Gründen anstrengender, so dass wir ca. 5 Stunden brauchten. Unfaßbar, woher der Stefan und der Hans die Kondition nahmen, ich habe nämlich fast gekotzt, bin aber nicht an Überanstrengung gestorben. Weil wir so stolz auf unsere grandiose Leistung waren, gönnten wir uns diesmal ein richtiges amerikanisches Beefsteak, das aber schon so seine 16$ kostet. Dennoch. Übernachtet haben wir irgendwo Richtung Monument Valley (ja, das aus der Marlboro-Werbung), und geschlafen haben wir wahrscheinlich auch gut.


Jaja, wir sind schon krasse Typen!

Mittwoch, 2. April


Prima Sandsturm

Eigentlich wollten wir das Monument Valley besichtigen. Leider kamen wir in einen so schrecklichen Sandsturm, dass man teilweise nicht mehr als ein paar Meter sehen konnte. Da das Monument Valley den Navajo-Indianern gehört, und die auch nochmal Eintritt verlangen, haben wir uns gegen eine Besichtung desselben entschieden und sind zum Lake Powell gefahren, einem Stausee des Colorado, um dort zu baden. (Hinzu kam, dass ein netter Indianer uns auf Nachfragen erklärt hat, so ein Sandsturm sei zu dieser Jahreszeit gar nix Besonders und könne schonmal ein paar Tage dauern. Dieser sei seit gestern unterwegs. -- Stefan)


Immerhin: ein bisschen kann man sehen

Bei dem Wort See, oder auch englisch, Lake, denke ich eigentlich immer an ein grünes Ufer und liebliche Landschaft. Nicht so hier: der Lake Powell liegt mitten in der Wüste, die Ufer sind steinig, sandig und staubig. Und wenn's ordentlich windet, kann man sich das Baden abschminken, man kann froh sein, wenn man den Weg zurück zum Auto halbwegs überlebt. Weil wir alles physikalisch gebildete Menschen sind, überlegten wir uns,dass, wenn an einer Stelle der Wind vom Ufer zum See weht und deshalb Staub aufwirbelt, auf der gegenüberliegenden Seite der Wind vom See aufs Ufer wehen muss, und deshalb sollte man dort direkt am See keinen Staub ins Gesicht kriegen (vorrausgesetzt, dass der Staub nicht über den See ans andere Ufer geweht wird). Also folgten wir einem auf der Landkarte eingezeichneten Weg, der aber bald nur noch mit Schrittgeschwindigkeit zu befahren war und uns kaum näher zum See brachte. Schließlich stiegen wir aus, um zu Fuß zum See zu laufen, fanden aber statt des Sees nur ein verklebtes Pornomagazin im Sand. Naja.


Bryce Canyon

Da wir eh schon in Utah waren, fuhren wir noch tiefer ins Land der Mormonen, zum Bryce Canyon. Hier äußerte Stefan die Vermutung, jedesmal,wenn Herrn Rumsfeld Zweifel an der US-Außenpolitik kommen, kommt er hier hin, weil ihm dann wieder klar wird, wie schön und schützenswert dieses Land ist. Wie dem auch sei, Abends übernachteten wir wieder mal mitten im Nichts, aber wenigstens konnten wir uns ein Video ausleihen (Charlie's Angels), das uns aber nicht sooo beeindruckte.


Donnerstag, 3. April


Nicht die 89!

Über nacht hatte es geschneit, was die Landschaft fast noch schöner machte. Eine Passfahrt führte uns durch menschenleere, wunderschöne verschneite Berglandschaften. Unser nächstes Ziel war der Zion National Park, den wir am Nachmittag erreichten, gerade früh genug, um noch ein wenig auf den bizarren Felsformationen rumzuklettern.


Freitag, 4. April


Utah, gelobtes Land

In der Früh sind wir noch mal in den Zion National Park gefahren, und zwar in den Teil, den man nicht mit dem eigenen Auto betreten kann. Allerdings fahren dort kostenlose Parkbusse. Die Landschaft ist einfach biblisch. Kein Wunder, dass die Bewohner von Utah sehr religiös sind. Nach einer schönen Wanderung machten wir uns auf zum Sündenbabel Las Vegas. Die Stadt ist ganz nett, vor allem kann man hier eine Rolltreppe über die Rialtobrücke nehmen. Insgesamt haben wir 2 Dollar verspielt, was höchstwahrscheinlich weit unter dem Durchschnitt ist. Aber so ewig draufmachen wollten wir dann doch nicht, denn so doll ist es ja nun auch wieder nicht. Eigentlich wollten wir noch in einem Fast Food Restaurant einkehren, aber es hatte nur der Drive-In offen, und weil wir zu Fuß waren, hat die unfreundliche Bedienung sich geweigert, uns irgendwas zu verkaufen. So weit ich mich erinnern kann, haben wir dennoch nicht gehungert.


Samstag, 5. April

Der Leser frägt sich sicherlich bereits, wie es kommt, dass sich der Autor nach den vielen Monaten noch so präzise an die vielen Einzelheiten der Reise erinnert und nichts durcheinander bringt. Na, dafür gibt es einige Gründe. Erstens hab' ich's halt einfach drauf, zweitens war die Reise so beeindruckend, dass vieles im Gedächtnis bleibt, und drittens vergesse zwar ständig wichtige Sachen, dafür kann ich mir lauter dumme Einzelheiten merken. Eine weitere Tatsache ist hierbei aber auch wichtig. Eine Tatsache, die sich eher zufällig ergeben hat, im Nachhinein das Erinnern jedoch deutlich leichter macht: In penibel-deutscher Gründlichkeit hielten wir auf der Reise eine strenge Fahrordnung ein. Am ersten Tag fuhr der Stefan, am zweiten der Hans, am dritten ich, und danach ging's wieder von vorne los. Da ich eigentlich immer weiß, wer in welcher Stadt oder welchem Nationalpark gefahren ist, lassen sich die vielen Ereignisse schön wieder in Reihenfolge bringen.

Doch zurück zum Thema. Nahe Las Vegas, an der Grenze zu Arizona, liegt der Hoover-Damm. Den mussten wir natürlich besuchen. Danach ging's weiter nach Westen weiter. Unser Weg führte uns durch einen weiteren Nationalpark ( Valley of Fire -- Stefan) , wo wir eine kurze Wanderung auf einen Berg machten, die gegen Ende in Klettern und Rutschen auf lauter Geröll ausartete. Da die Sonne bereits unterzugehen drohte, machten wir uns schnell auf den Weg zurück zu unserem Auto. Zwischen diesem Park und dem Death Valley, das unser nächstes Ziel war, liegt laut Reiseführer eine Stadt mit einer ganz besonderen Sehenswürdigkeit: einem Bordellmuseum. Das wollten wir uns natürlich am nächsten Tag ansehen, leider waren alle Unterkünfte dort ausgebucht (ob wegen Bordellmuseum, weiß ich nicht). Daher übernachteten wir in Shoshone, das schon in Kalifornien liegt. (In Shoshone gibt es auch ein Museum, das aber leider nur aus zwei Räumen besteht und es mit dem Bordellmuseum nicht aufnehmen kann. -- Stefan)


Salzwüste im Death Valley


Sandwüste im Death Valley

Sonntag, 6. April

Das Tal des Todes ist für seine tödlichen Temperaturen bekannt. Anfang April waren die Temperaturen jedoch sehr angenehm. Auch der Boden war etwas feucht. Ob durch Regen oder Grundwasser, können wir Geologieunkundigen leider nicht mit Sicherheit sagen. Wir machten ein paar kurze (1-2-stündige) Wanderungen in die Berge, die an das Death Valley grenzen. Dort bekletterten wir dann entweder eine der natürlich entstandenen Felsbrücken(Natural Bridges, sehr schön) (Aber nicht zu verwechseln mit dem Natural Bridges National Park -- Stefan) oder spielten "Ich packe meinen Koffer" und nahmen mit:

  • den Kollegen Strehl,
  • A People's History of the United States von Howard Zinn,
  • Computational Complexity von Papadimitriou,
  • eine Atombombe zur Auslöschung sozialistischer Aufstände in Indochina,
  • eine teflonbeschichtete Bratpfanne,
  • drei Pfund Nürnberger Bratwürste,
  • den Mount San Francisco,
  • meinen viertausendsechsundneunzig bit langen private key,
  • einen Ferrari, aber einen schnellen,
  • einen Kasten Kitzmann,
  • Private Jokers verschwitzte Marinesocken,
  • eine Lastwagenladung abgebrannte Brennstäbe,
  • ein Hakenkreuz,
  • einen Dead Bug,
  • mein Lieblingbuch Die Raupe Nimmersatt,
  • die Achse Rom-Tokio-Berlin
  • ein Grabmüller-Skript
  • eine Quietsche-Ente,
  • die guten Ratschläge, die mir meine Mutter damals gegeben hat, und
  • einen Salzstreuer.
(So, wie's da steht, ist's falsch, aber ich krieg die Reihenfolge auch nicht mehr zusammen. -- Stefan)


Mono Lake (stinkt!)

Mittlerweile waren wir dann auch wieder beim Auto und weiter ging's. Am Abend übernachteten wir bereits westlich vom Death Valley, im Tal östlich der Sierra Nevada, die den lieblich-grünen küstennahen Teil Kaliforniens von der Wüste trennt. Der Typ im Motel hatte einen Flyer rumliegen, der für einen Treffen mit anderen "Fellow Patriots" warb, bei dem für die Unterstützung der Soldaten im Irak demonstriert werden sollte. Wir übernachteten trotzdem hier. Immerhin wurden wir nicht für unser Deutschsein gebasht.


Montag, 7. April

Obwohl wir hier noch halb in der Wüste waren, sah man in der Nähe bereits leichtbewaldete und schneebedeckte Berge. Leider waren gleich drei Pässe wegen Schnee gesperrt, so dass wir einen Riesenumweg nördlich um das ganze Gebirge machen mussten. So kamen wir immerhin zum Mono Lake, einem See mit bizarren Felsformationen, der leider ein wenig stank. Die Landschaft wurde durchgehend alpiner, auch mit schönen Ferienhäusern im Alpenstil. Der Stefan fuhr tapfer Stunde für Stunde auf unserer langen Strecke. Leider waren die Straßen recht kurvig, so dass Lesen nicht recht zu empfehlen war. Unser Weg führte uns auch durch aktive Skigebiete, doch hatten wir weder Zeit noch hatten wir Ski dabei. Aber immerhin schafften wir es an diesem Tag noch auf die westliche Seite des Gebirges.


Dienstag, 8. April

Am morgen durften wir durch eine der herrlichsten Landschaften fahren, die es überhaupt gibt: sanfte grüne Hügel, tiefgrüne Eichen, wunderbare Seen. Leider hat Stefan, der Schuft, hier gar keine Bilder gemacht. Das hat er sich dann für den Yosemite National Park aufgehoben, obwohl die Landschaft dort erstens bereits ausgebig fotografiert ist und es zweitens dort eh aussieht wie in der Schweiz. Naja, fast.


Karl Marx Tree

Auf jeden Fall auch ein herrlicher Park, in dem länger zu bleiben sich auch lohnen würde. Wir sahen nur einen sehr kleinen Teil, dafür badeten wir in einem scheißkalten Bergbach (teilweise lag noch Schnee rum) und sprangen eifrig immer wieder ins kalte Wasser, crazy Germans... Dann ging's für die Nacht nach Fresno, in die etwas langweilige Ebene zwischen der Sierra Nevada und der wieder hügeligeren Küste. Immerhin roch es gut nach frischen Orangen.


Mittwoch, 9. April

Heute war Sequoia National Park angesagt. Aber da muss man erst mal hinkommen. Unter anderem aus Fresno rauskommen. Und auf die richtige Straße. Ganz genau, die haben wir erstmal nicht gefunden, weil da eine Umleitung war und die Amerikaner sowas überhaupt nicht vernünftig beschildern können. Also fuhren wir erstmal ahnungslos raus auf's Land östlich von Fresno. Die Straße war zwar falsch, führte uns aber in eine nette Gegend von Kuhweiden und grünen Hügeln und schließlich zu einem Landschaftsmaler, der uns den Weg wies.

Also endlich Sequoia. Der Park ist berühmt für die Sequoia-Bäume, die größten Bäume auf Erden. Diese Riesen werden mehrere tausend Jahre alt und sind trotzdem noch frisch und munter. Der größte Baum dort heißt übrigens General Sherman Tree. Wer der Namenspatron war, weiß ich leider nicht. Dafür weiß ich, dass im Sequoia Park früher eine marxistische Kommune gesiedelt hat und die den Baum Karl Marx Tree genannt hatte. Dieser Namenspatron sollte einschlägig bekannt sein. Eigentlich wollten sie dort vom Verkauf des Sequoiaholzes leben und eine sozialistische Musterkommune aufbauen. Das Parlament machte diesen Schuften jedoch einen Strich durch die Rechnung, indem es das Gebiet kurzer Hand zum Nationalpark erklärte. Ein weiteres Beispiel für die große Wichtigkeit eines wachsamen Antikommunismus.

Aus Wandern wurde leider nichts, da der Schnee teilweise 30 cm hoch lag und wir nur Sommerschuhe dabeihatten. Also blieb uns nur, den Karl Marx Tree zu bestaunen und den Moro Rock zu besteigen, einen markanten Felsblock, von dem man einen schönen Rundumblick auf die Gipfel der Sierra Nevada und ins Tal runter hat. Ja, das dürfte jetzt Stefans letztes Photo sein, jetzt bleibt mir nur noch ein Abgesang...


Blick vom Moro Rock auf die Sierra Nevada

Unser Programm sah nichts mehr vor, also fuhren wir wieder Richtung Los Angeles und übernachteten ca. eine Stunde von der Küste entfernt.


Donnerstag, 10. April

Jetzt hatten wir ja noch einen ganzen Tag, und gar nichts mehr zu tun! Naja, dann kann man endlich mal einen faulen Urlaubstag am Strand machen. Also runter Richtung Küste, und in einem kleinen Ort, ca. 90 Autominuten vom Flughafen Los Angeles, sich an den Strand hauen. Zwischendurch sind wir mal zu einer Tankstelle gefahren, um unser dreckiges Auto zu säubern, saugen etc., weil sonst die verlogen-verderbten Leute vom Autoverleih bestimmt den Zustand unseres Grand Cherokee genutzt hätten, die Kaution einzubehalten. Abends sahen wir dann "Brave New World" von Aldous Huxley im Fernsehen, im Vergleich zu "Charlie's Angels" ohne Frage eine deutliche Verbesserung.


Freitag, 11. April

Ja nun, der letzte Tag! Was sagt man dazu... Die Kaution haben wir zurückbekommen. Da wir mit Air France flogen, konnte ja nicht alles glattgehen, und deshalb mussten wir sechs Stunden am Flughafen warten und einen späteren Flug nehmen. Aber schließlich sind wir am Samstag Nachmittag wohlbehalten in Nürnberg, Franken, angekommen.

(Vorher gab es in LA aber noch einen lustigen Zwischenfall: Dominik hatte in der Eile vergessen, seine Nagelscheren aus dem Handgepäck zu entfernen. Da die Terroristen aber gerade nach dem 11. September bekanntlich vor gar nichts zurückschrecken, dürfen Nagelscheren nicht mehr mit an Bord genommen werden. Dominik hat noch versucht, sein Maniküre-Set bei den netten Europäern von Air France separat einzuchecken, aber: "No, I'm sorry. We don't do these things any more. It's trash.")

Epilog

Es bleibt die nagende Frage: war die Reise ein Erfolg? Nun ja, wie man es sieht.

Das Ziel unserer Reise betreffend, den Internationalen Programmierwettbewerb, war die Reise teilweise erfolgreich. Immerhin waren wir nicht ganz schlecht, genaugenommen waren wir nicht schlechter als in Porto, nur die Gegner waren hier besser. Auch war dieses Jahr nur der Anfang einer hoffentlich langen und fruchtbaren Tradition an der FAU. Der lokale Programmierwettbewerb an der FAU,der die Erlanger Teilnehmer am nächsten Wettbewerb im November 2003 in Paris bestimmen sollte, hat ja mittlerweile auch tattgefunden und recht ermutigende Resultate erzielt.

Es muss jedoch auch gesagt werden, dass bei uns noch mehr dringewesen wäre. Mit etwas mehr Übung, Disziplin und Glück hätten wir locker zwei Aufgaben mehr geschafft. Wie gesagt, wir unter Anderem deswegen gescheitert, weil ich die letzten 35 Minuten vergeblich versucht hatte, den Fehler in meinem Programm für ein simples Spanning-Tree-Problem zu finden. Wäre ich nicht so dämlich gewesen, hätte ich den Fehler gar nicht erst gemacht, und dann hätte der Stefan seine im Grunde bereits fertige Lösung noch reinhacken können. Nun ja, es gibt sicherlich noch viele andere Ausreden, warum es nicht soooo ein Riesenerfolg gewesen ist:

  • Unsere Einstellung. Man darf getrost annehmen, dass die Kollegen aus Shanghai, Beijing und Sankt Petersburg viel mehr Engagement mitgebracht hatten.
  • Hand in Hand damit gehend die Vorbereitung. "Wenn wir zur Weltmeisterschaft weiterkommen, dann wir jedes Wochenende trainiert, Dominik", sagte Stefan nach unserem Erfolg in Porto zu mir, und ich glaubte daran. Doch die alltägliche Arbeit, insbesondere Compilerbau und das berühmt-berüchtigte Datenbankseminar EPTA, lenkte uns vom eigentlich Wichtigen ab.
  • Die Studienarbeit. Der Hans glaubte während der ganzen Zeit, er hätte seine Studienarbeit bereits angemeldet. Das hatte er nicht, wie er kurz vor der Reise erfuhr. Nun darf man hoffen, dass wenigsten die Studienarbeit ein voller Erfolg wird.
  • Die Vorgeschichte. Vor einigen Jahren gab es unter Stefan Mandl bereits ein Erlanger Team beim ICPC; dennoch war unsere Teilnahme ein sponter Entschluß. Die Universität Ulm hingegen nimmt seit Jahren regelmäßig mit großem Erfolg am ICPC Teil. Das heißt unter Anderem, dass erfahrene ehemalige Teilnehmer den Jungstars vom Ulmer Team -- insbesondere sei hier Adrian Kügel, der "König von Valladolid" genannt -- gute Ratschläge und hartes Training zukommen lassen können. Diese Rolle wird Stefan sicherlich hervorragend erfüllen. (Danke für den Fisch! -- Stefan)
  • Die materielle Ausstattung. An der Uni Ulm konnte sich über die Jahre hinweg eine richtige ICPC-Algorithmenbibliothek ansammeln, so dass die Teilnehmer ihre geometrischen Algorithmen einfach nur abtippen müssen (nicht maschinenlesbare, nichtelektronische Hilfmittel aller Art wie Bücher, Ausdrucke etc. sind erlaubt), während die Erlanger sich umständlich im Cormen/Leiserson/Rivest/Stein durch Erklärungen, Lemmata und Beweise durchwühlen müssen.
Was das "Drumherum" anbelangt, war die Reise ein voller Erfolg, obwohl wir nicht alles gemacht hatten, was wir uns vorgenommen hatten. So wollten wir eigentlich in San Francisco auf einer Friedensdemo mitmarschieren, in Berkeley in Michaels Vergangenheit an eben jener Eliteuni herumschnüffeln, alte Hippies treffen, Glory Holes finden, Schwulenraten in San Francisco spielen,nicht nur einmal Toter Käfer spieln etc.

Die "andere Geschichte, die ein andermal erzählt werden soll", werde ich jetzt doch nicht erzählen, erstens weil ich keinen Bock drauf habe, zweitens weil der Leser sonst einen schlechten Eindruck von uns bekommen könnte, drittens weil ich sie schon so oft erzählt habe und viertens, weil der Stefan, der Hans oder ich sie bestimmt bereitwillig jedem erzählen werden, der danach fragt.